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OB appellierte an Ettlinger Ur-Tugend: „Blick fürs Gemeinwohl vor dem eigenen Wohl“

Mit Verve begann der Neujahrsempfang der Stadt. Denn die Big Band der Musikschule unter der Leitung von Rolf Hille bot den idealen Klangteppich zur Begrüßung der zahlreichen Gäste. Vertreter von Politik und Vereinen, von Unternehmen, Verbänden und Behörden, Repräsentanten aus den Bereichen des Ehrenamtes, der Wirtschaft, der Kirchen, der Schulen, von Polizei und Feuerwehr, Mitarbeiter der Verwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger gaben sich ein Stelldichein in der Stadthalle, wo Oberbürgermeister Johannes Arnold in seiner Rede schlaglichtartig zunächst das vergangenen Jahr Revue passieren ließ.

Ob die Sanierung des Waldbades Schöllbronn oder die Wiedereröffnung der Bürgerhalle Ettlingenweier, ob das Ortsteilentwicklungskonzept Oberweier oder die 150 Jahre Feier der Stadtwerke, ob Festspiele oder 13. Internationaler Pianistenwettbewerb, ob Abschluss der Arbeiten im und am Schloss oder die Fertigstellung der Franz-Kühn-Halle, ob der kurz vor Weihnachten gegründete Verein „Albtal Plus“ oder die Gestaltung des Schöllbronner Dorfplatzes, es war ein Jahr der Aufarbeitung zahlreicher Projekte, aber auch ein Jahr der Weichenstellungen. Transparentes Arbeiten und frühzeitiges Einbinden der Bürgerschaft spiegle sich in den neun Bürgerinfos zu acht verschiedenen Themen wider. „Eine solche offensive Bürgereinbindung hat es hier schon lange nicht mehr gegeben und das ist meine Antwort auf den Ruf nach mehr Transparenz.
 
Um zu erläutern, welche Zukunft „wir in Ettlingen 2013 möglich machen wollen“, warf Arnold einen Blick zurück in die Vergangenheit Ettlingens, um anhand der stetigen Veränderungen der Stadt in den zurückliegenden Jahrhunderten deutlich zu machen, dass die Weiterentwicklung eine Stadt voranbringt, dass Ettlingen die Herausforderungen gemeistert habe, die die Zeitläufte mit sich brachten. So war die Befestigung der Stadt einst Segen, aber auch bald enge Grenze, der große Stadtbrand brachte das barocke Erscheinungsbild und die jüngste Stadtsanierung veränderte das Bild.

Auch damals waren sicher nicht alle dafür, doch was wäre Ettlingen heute ohne diesen für die damalige Zeit waghalsigen Plan des Stadtumbaus, stellte Arnold die rhetorische Frage. „Wir dürfen uns nicht ausruhen“, so der Rathauschef, der aber auch deutlich machte, dass es vor der Ideenumsetzung eine neue Aufgeschlossenheit und Bereitschaft brauche, neue Ideen überhaupt zuzulassen. „Ideen nicht schon wegdiskutieren, bevor überhaupt klar ist, welche Aspekte eine Idee überhaupt ausmachen. Wir brauchen mehr Erlaubnis für das zwar herausfordernde, aber chancenvolle Neue.“ Als Beispiel nannte Arnold das Thema der Alböffnung beim Rathaus, die Auffrischung des Horbachparks mit Bürgerwerkstatt oder die Frage zur Barrierefreiheit des Rathauses oder die Überplanung des ehemaligen Feuerwehrgeländes.
 
Viele Ideen seien kurz vor ihrer Umsetzung, wie die Ganztagesgrundschule oder die Umbauten in Schöllbronn und Bruchhausen für die Kinderbetreuung, wie das Mehrgenerationenhaus oder die Anträge auf Sanierungsgebiete, um beim Schloss und der Ortsentwicklung Oberweier weitermachen zu können, wie das 60-jährige beim Städtepartnerschaftsjubiläum Ettlingen-Epernay, die zweitälteste in Baden-Württemberg. Ehrgeizige Ziele seien es, verhehlte Arnold nicht, doch sie seien Ansporn - auch wenn man vermutlich nicht alle erreichen werden könne. Ettlingen habe sich aber nur weiterentwickelt, „weil die breite Bürgerschaft mitzog“. „Der Blick für das Gemeinwohl, für das allgemeine Wohl der Stadt vor dem eigenen Wohl – das ist eine Ur-Ettlinger Tugend“, die sich in den vielen Vereinen ebenso zeige, wie in der Einrichtung des Hospiz´ oder der Aufnahme von Asylbewerbern. Bei allen Herausforderungen, die Stadt habe „eine gute Zukunft, wenn wir uns dem Wandel stellen und Ideen Chancen geben“. Bei seinem Dank an den Gemeinderat und die Ortschaftsräte unterstrich er „das gute Miteinander“, aber er dankte auch der gesamten Mitarbeiterschaft der Stadt und besonders der Bürgerschaft, die es ihm „durch gute konstruktive Rückmeldungen ermöglicht hat, hier wirken zu können“.

Für eine beschwingt-swingende Überleitung zu den Ehrungen sorgte der Jazzchor Ettlingen. Das Spektrum ehrenamtlicher Arbeit in unserer Gesellschaft ist weit gefächert und äußerst vielfältig. Es gibt kaum einen Bereich des alltäglichen Zusammenlebens, in dem wir bürgerschaftliches Engagement nicht finden: Ob im kirchlichen und sportlichen Bereich, in der Brauchtums- und Kulturpflege, in der Unterstützung für Kinder oder in den Bereichen Musik, Freizeit und Geselligkeit aber auch im sozialen Bereich. Ehrenamt, das bedeutet gelebte Solidarität. Es brauche Menschen wie diejenigen, die heute hier geehrt werden, denn eine solche Hingabe ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens in Ettlingen. Aber ehrenamtliche Tätigkeit ist auch eine Bereicherung für diejenigen, die diese Tätigkeit ausüben. Denn oft kann man Eigenschaften, Erfahrungen und Talente einbringen, die im Alltag und im Berufsleben nicht so zur Geltung kommen. Und man bereitet nicht nur anderen eine Freude, sondern sich selbst auch. Stellvertretend für zahlreiche andere ehrenamtlich tätige Menschen erhielten Manfred Beer, Bernd Eyberger, Hans-Günther Fichtner, Ursula Fröhlich, Helmut Hartmann, Sigrid Licht die Ehrenmedaille der Stadt und Willi Kleinfeld für sein Engagement als Glöckner den Sibyllataler der Stadt.
Manfred Beer ist seit 1997, also seit 15 Jahren, erster Vorsitzender des „Förderkreises Musikschule Ettlingen“, der die Arbeit der Musikschule unterstützt. Herr Beer nimmt aber nicht nur die administrativen Aufgaben eines Vereinsvorsitzenden wahr, sondern packt mit an, wenn „Not am Mann“ ist. Ob beim Getränkeverkauf in den Pausen der Sinfoniekonzerte der Musikschule oder bei der Organisation und Durchführung des Musikschulfestes. „Auf vielfältige Weise haben Sie dazu beigetragen, den guten Ruf der Musikschule in der Region zu festigen“.
Von 1989 bis 2005 war Herr Beer als Elternbeirat und zeitweise als Elternbeiratsvorsitzender der Hans-Thoma-Schule Spessart und später des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Ettlingen tätig. 2005 war er treibende Kraft und Gründungsmitglied für den „Mensaverein Ettlingen“, der sich um die Mittagspausenverpflegung des Albertus-Magnus-Gymnasiums und der Anne-Frank-Realschule kümmert. Durch dieses von den Eltern getragene Angebot konnte überhaupt erst die Ganztagesschule im Schulzentrum eingeführt werden. Bis 2010 waren er im Vorstand des Mensavereins unter anderem als Kassier tätig. Pro Tag essen bis zu 250 Kinder im Schulzentrum zu Mittag. „Ich denke, so Arnold, die „meisten können sich vorstellen, welchen Aufwand eine Abrechnung in dieser Größenordnung bedeutet“.
 
Bernd Eybergers Name ist untrennbar mit dem Wasener Carneval Club und der Ettlinger Fastnacht verbunden. Seit seinem Eintritt in den Verein 1978 ist er ununterbrochen im Elferrat und in der Vorstandschaft des WWC tätig. Insgesamt 14 Jahre lang war er 1. Vorstand und Präsident und hat in dieser Zeit maßgeblich die Entwicklung des Vereins gesteuert. Unter seiner Leitung wurde insbesondere der Faschingsball mit der HWK/Lebenshilfe 1999 und die Damensitzung als Kooperation mit den Moschdschelle 2001 ins Leben gerufen, beide feste Bestandteile im Fastnachtskalender der Stadt. Vielen ist Eyberger auch als „Wasenaff“ aus der Bütt bei den Prunksitzungen des WCC bekannt. Seit 5 Jahren ist er einer der drei Vorsitzenden der Narrenvereinigung, deren Urteil sich der Rathauschef am 11.11. beim Rathaussturm stellen muss, der hofft nun dank der heutigen Ehrung auf ein gnädigeres Urteil.
 
Hans-Günter Fichtner ist seit über 40 Jahren ehrenamtlich aktiv. Über 20 Jahre lang war er Mitglied des SPD-Ortsvereinvorstandes Ettlingen, davon 9 Jahre als Ortsvereinsvorsitzender. Darüber ist er seit 1984 Kassenprüfer der Freundschaftsbrücke Nicaragua. Den meisten Ettlingern ist Herr Fichtner durch seine Tätigkeit im Seniorenbeirat und als Leiter des Seniorenbüros bekannt. Er ist Ansprechpartner für die älteren Mitbürger in der Stadt und vertritt deren Interessen. Fichtner hat die Arbeit der Senioren aber auch international vernetzt, das Band reicht vom Pamina-Raum bis nach Gatschina, Ettlingens russische Partnerstadt, wo er zusammen mit den Senioren den Anstoß zu einem Begegnungszentrum gab. Doch auch die Kinder und Jugendlichen liegen ihm am Herzen. So fungiert er regelmäßig als Märchenerzähler in drei Ettlinger Kindergärten, als Lesepate in der Schillerschule sowie als Lernbegleiter für fünf Schülerinnen mit Migrationshintergrund. Auch den Heimbewohnern im Stephanus-Stift am Stadt-garten liest er einmal im Monat sonntags Geschichten vor.
 
Heutzutage ist das Thema Integration in aller Munde. Doch bereits in den 80er Jahren und damit in einer Zeit, als dieses Thema noch nicht so publik war, hat Ursula Fröhlich gemeinsam mit Herrn Bayram vom türkischen Arbeitnehmerverein die Hausaufgabenbetreuung für die überwiegend ausländischen Kinder im Wohngebiet Spinnerei organisiert und durchgeführt. Den Kindern wurden nicht nur die Schulaufgaben erklärt, sondern auch das Zurechtfinden in den deutscher Schule erleichtert. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern habe sie in vorbildlicher Weise mitgeholfen, dass die betreuten Kinder gute Schulergebnisse erzielten, so dass sie ein Ausbildungsverhältnis beginnen konnten. Bis 2006 war sie 25 Jahre lang Vorsitzende des Vereins und für viele ein Vorbild.

Auch Helmut Hartmann ist seit über 40 Jahren in verschiedenen Bereichen an vorderster Front ehrenamtlich aktiv! Beim TSV Oberweier war er von 1969 bis 2011 Vorstandsmitglied. Im Jubiläumsjahr zum 100-jährigen des Vereins hat er nicht nur mitgeholfen, die Vereinschronik zu erstellen, sondern er hat auch die Feierlichkeiten mitorganisiert. Neben seinem Engagement beim TSV Oberweier, war er auch Ortsvorsteher von Oberweier und maßgeblich im Rahmen der Städtepartnerschaften aktiv: „Sie sind ein leidenschaftlicher Europäer“! Er war lange Zeit Motor für die Partnerschaft mit der französischen Stadt Etoges. Sein Hauptaugenmerk lag dabei besonders auf dem Jugendaustausch. Seit 1974 besuchen sich die Jugendgruppen, die er auch persönlich begleitete. Darüber hinaus engagiert er sich auch in der Partnerschaft zwischen Ettlingen und Clevedon. 17 Jahre war er Vorsitzender des Freundschaftsvereins Ettlingen-Clevedon.
 
Sigrid Lichts Herz schlägt für die Menschen in Russland, besonders für jene in der Partnerstadt Gatschina. An der VHS hat sie in den frühen 90er Jahren russisch gelernt und in vielen Privatstunden ihre Sprachkenntnisse vervollständigt. Seit der Gründung der Organisation „Polizei hilft“ im Jahr 1994 ist sie nicht nur Mitglied und Schriftführerin, sondern wesentlicher Motor und Impulsgeberin. Sie hat sich für die Hilfstransporte eingesetzt und sogar auf eigene Kosten den LKW-Führerschein gemacht. Insgesamt fünfmal begleitete sie die großen Hilfstransporten nach Gatschina, zweimal steuerte sie selbst einen 40 Tonnen-Lastzug. Jegliche Korrespondenz mit der russischen Seite liegt in ihren Händen. Sie verwaltet, organisiert und regelt alle Geldgeschäfte im Zusammenhang mit den Familienpatenschaften. Sie trifft die erforderlichen Absprachen für das Kinderheim „Darina“, das Seniorenheim und für Krankenhäuser, um die Voraussetzungen für finanzielle Zuwendungen zu schaffen.
Unermüdlich wirbt sie bei den jährlichen Weihnachtskonzerten des Polizeimusikkorps und durch Artikel in den Amtsblättern des gesamten Landkreises für Patenschaften und Geldspenden für die Aktionsgemeinschaft „Polizei hilft“. „Ihr Engagement ist beispielhaft“. Sie habe vielen Menschen auch ganz persönlich weitergeholfen, und er wisse, dass sie in Gatschina „ein dichtes Freundschaftsnetzwerk hat“. Auch andere hat sie an ihrer Liebe zu Russland teilhaben lassen. So lag die Organisation des Schüleraustauschs am Albertus-Magnus-Gymnasium nach Gatschina in ihren Händen. Darüber hinaus brachte sie den Schülern in Arbeitsgemeinschaften die russische Sprache und Landeskunde nahe.
 
Willi Kleinfelds Revier liegt in luftiger Höhe. Seit 2000 ist er Glöckner der Stadt. In dieser Funktion sorgt er unermüdlich dafür, dass es gut vom Rathausturm klingt, dass er sauber ist und begehbar bleibt, denn er pflegt das Glockenspiel, die Uhr und die Handglocken und kümmert sich um Fledermäuse und sonstigen Vögel, die sich in den Turm verirren. Darüber hinaus macht er regelmäßig Turmführungen für interessierte Bürger, Kindergarten- und Schulgruppen. Zu besonderen Anlässen, beispielsweise zur Marktfesteröffnung, beim Martinsumzug oder bei der Nepomukfeier läutet er die Rathausglocken. Auch heute hat er den Jahresempfang „eingeläutet“. Daneben hält er Glocken, deren Guss oder Türme aus ganz Europa mit seinem Fotoapparat fest und hat seine Bilder bereits in verschiedenen Ausstellungen gezeigt.
Mit seiner Begeisterung für die Glocken und Türme weiß er andere Menschen anzustecken und zugleich die alte Tradition, eines Glöckers am Leben zu erhalten. Er wisse, so der OB, wie viel Arbeit dahinter stecke, da „ich Sie regelmäßig im Rathaus“ antreffe. Mit dem Zitat von Chrysostomus, „das wahre Glück besteht nicht in dem, was man empfängt, sondern in dem, was man gibt“ dankte Arnold nochmals allen Geehrten abschließend. Einen farbenprächtigen Schlusspunkt setzte die Tanzsportgemeinschaft Ettlingen, ein Zusammenschluss des Wasener Carneval Clubs und des Carnevalvereins Spessarter Eber.