Jeder ein unverzichtbarer Baustein im städtischen Puzzle
Einer Jahreslosung gleicht die Zeile aus Dietrich Bonhoeffers Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben, und mit euch gehen in ein neues Jahr, das der Musikverein Bruchhausen zum Jahresempfang am vergangenen Freitag in der Stadthalle wirkmächtig intonierte, auf Wunsch von Oberbürgermeister Johannes Arnold. Es strahle für ihn Zuversicht und Hoffnung aus und erinnere zugleich daran, dass trotz der Gestapo Haft Bonhoeffer den Mut und die Perspektive nicht aufgegeben habe.
Wie viel mehr Grund haben wir daher, doch optimistisch zu sein, stellte der Rathauschef die rhetorische Frage. Und zitierte Ettlingens Ehrenbürger Dr. Erwin Vetter, er schrieb ihm zum Jahreswechsel „Ettlingen glänzt“. Unsere Stadt können nur deshalb leuchten, weil so viele am gemeinsamen Erfolg beteiligt sind, wie in einem großen Puzzle, bei dem es auf jedes einzelne Teil ankommt, so Arnold mit Blick auf die vielen Frauen und Männer im Saal, darunter Vertreter der Wirtschaft, des Handels, der Kultur, der Kirchen, des Sports, der Politik, darunter die Landtagsabgeordneten Barbara Saebel, Christine Neumann-Martin und Alena Fink-Trauschel und die Ehrenbürgerin Helma Hofmeister sowie OB a.D. Josef Offele.
Doch an erste Stelle bei Arnolds Begrüßung standen die Vertreter des Ehrenamtes, der Vereine und der Blaulichtfamilie, weil sie das widerspiegeln, was die Gesellschaft brauche, „Weniger ich und mehr wir“.
Dass Ettlingen so glänzen kann, ist auch der gesunden Wirtschaftsstruktur in der Ettlinger Unternehmerschaft zu verdanken.
Nach dem bebilderten Jahresrückblick lenkte der OB den Blick auf 2025. Er stellte es unter vier Bs, die Bundestagswahl, Bürgerentscheid Windenergie: hier wird es am 4.Februar einen Bürgerdialog geben, bei dem Ergebnisse präsentiert werden und damit steht die Frage im Raum, ob die Stadt eine Fläche zur Verfügung stellt, die BM-Wahl und Intendantennachfolge für Solvejg Bauer. Zum Abschluss kommt der Umbau der Schillerschule sowie der Neubau des Kindergartens Schluttenbach, der Einzug der technischen Verwaltung in die Alte Feuerwehr, die Sanierung der Gebäude am Kirchenplatz, der Hochwasserschutz und der Durchgang beim Drogeriemarkt Müller. Auf uns warten auch Großprojekte wie die Teilsanierung respektive Neubau des Eichendorff-Gymnasiums, die Kaserne Nord, die Hebelschuleerweiterung sowie der Doppelhaushalt 2026/27.
Dann durfte das Publikum per Smartphone aktiv werden und die Reihenfolge der 13 Themen per QR-Code bestimmen, darunter das Bauprojekt Unterer Henkling in Schöllbronn, der Umzug der Verwaltung, Klimawandel und seine Folgen, Bildung und Betreuung Kitas und Schulen, Wohnraumschaffung oder die Flüchtlingsunterbringung. Nach wenigen Minuten stand fest, der ÖPNV war zuoberst gefolgt von Erneuerbarer Energie sowie die Finanzlage der Stadt nebst der Grundsteuerreform und die Notfallpraxis.
Beim Thema Öffentlicher Personen- und Nahverkehr hob Arnold heraus, Ettlingen ist hier nicht Ausrichter. Rund 3,1 Millionen Euro nehme die Stadt in die Hand, der Landkreis rund 60 Millionen Euro. Mit dem Fahrplanwechsel und der Neustrukturierung der Linienführung sei eine Verbesserung eingetreten, gerade auch im Hinblick an die Anbindung zu den S-Bahnen sowie von Neuwiesenreben und Friedhof. Deutlich machte er, dass man wegen der fehlenden Busfahrer auch über Standards sprechen müsse. Ob die Taktung eine andere, dafür dann aber zuverlässiger werde.
Beim Thema Erneuerbare Energie erinnerte Arnold an die kommunale Wärmeplanung, an die Biogasvergärungsanlage kurz BAVA hier könne aus Essensresten und Grünschnitt Energie für rund 5 000 Haushalte gewonnen werden, an die PV-Anlagen auch auf Industrieanlagen oder an die Windenergie. Am Dienstag, 4. Februar wird auf einer Bürgerinformationsveranstaltung die Dialoggruppe Windenergie ihre Ergebnisse vorstellen. Und „es soll einen Bürgerentscheid geben, ob die Stadt in die Windkraft einsteigen soll“, hob Arnold heraus.
Trotz der erfreulich höheren Einnahmen bei der Gewerbesteuer verhehlte der OB nicht, dass durch den Verlust von rund 1000 Einwohner bei der Zensuserhebung, „wo sind sie hin?“, es zu geringeren Zuwendungen kommt beim gleichzeitigen Anstieg der Kreisumlage. Und beim Thema Grundsteuer haben viele Ettlingerinnen und Ettlinger Fragen. Er merkte jedoch an, Baden-Württemberg gehe hier seinen eigenen Weg. Bislang liege der städtische Hebesatz der Grundsteuer bei 380 v.H., den wir senken werden.
Ob es doch noch einen Lichtstreifen am Horizont gibt bei der Notfallpraxis, die Ende November geschlossen werden soll, gibt. Arnold hofft, durch eine Klage doch noch etwas erreichen zu können. Die juristische Beratung laufe und es werde eine „gewisse Chance“ für eine Klage gegen die Kassenärztliche Vereinigung kurz KVBW gesehen. Sie wolle sich überdies einem Vor-Ort-Termin stellen. Da appellierte der OB an die Bevölkerung, genauso zahlreich zu erscheinen wie zum Neujahrsempfang und den Unmut und Protest deutlich zum Ausdruck zu bringen.
Und dann sorgte der Musikverein Bruchhausen nochmals mit der Blues Factory für den richtigen Ton und Ingo Kemper vom Tanzcentrum Ettlingen schwebte mit zwei Tänzerinnen über das Parkett.
Beide Programmpunkte erhielten tosenden Beifall, den nicht minder die Vereine bekamen, die sich um das leibliche Wohl an dem Abend kümmerten der türkische Frauenverein, die Schreberjugend, die Moschdschelle, der Wasener Carneval Club und der Singkreis. Und traditionell sorgte sich der Tageselternverein Ettlingen um die Kleinen.